Über uns
Heute
Das Stück ist ausgesucht, die Proben beginnen.
Die ersten Treffen finden im Jugendraum der Freizeit- und Bildungsstätte
statt. Ab dem 28.09.2011 wird auf unserer Bühne in der Schützenhalle
geprobt. Die Gruppe trifft sich ein bis zweimal in der Woche. Um sich
auch außerhalb der Spielzeit nicht ganz aus den Augen zu verlieren,
treffen sich die Mitglieder 3 bis 4 mal im Jahr zum Austausch und
gemütlichem Beisammensein
Die Laienspielschar Serkenrode ist seit dem 08.04.2011 ein eingetragener Verein. Der Jahresbeitrag beträgt 10€, für neue Mittglieder, die sich auf der Bühne ausprobieren möchten, entfällt einmalig der Jahresbeitrag. Die genaue Mitgliederzahl beträgt derzeit 17 (stand 04.09.2011).
Interessierte sollten das Mindestalter von 14 Jahren haben, da ausschl. Stücke mit Jugendlichen und Erwachsenen gespielt werden. Die Laienspielschar freut sich über jedes neue Mitglied!
"Onkel Albert" Albert Stiesberg
Onkel Albert Stiesberg war „Vorreiter“ in Sachen Jugendarbeit in Serkenrode. Nach dem Krieg organisierte er „Jugendtreffs“. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre organisierte er dann Jugendfahrten. Diese Ausflüge waren eine bisher nicht gekannte Form von Freizeitangeboten für die Serkenroder Dorfjugend. Neben seinem Engagement für die Jugend war das Theater seine große Leidenschaft. Er investierte über mehrere Jahrzehnte viel Zeit und Hingabe in dieses, für ihn wichtige "Steckenpferd".

Aufgrund einer Tragödie im engeren Familienkreis des Hauptdarstellers
an Heilig Abend 1974, übernahm Onkel Albert bei der Aufführung am 2.
Weihnachtstag dessen Rolle; mit Buch in der Hand. Das war sein letzter
Auftritt auf der Bühne.
Bis zu seinem Tod war er aber weiterhin sehr an dem Serkenroder
Theaterspiel interessiert und stand dabei den Laienspielern stets mit
Rat und Tat zur Seite. Er war ein guter Mensch mit viel Humor.
Bis heute hängt bei jeder Aufführung zu seinem Andenken ein Bild von ihm
in der Kulisse.
Historisches
Ein genaues Datum, seit wann die Laienspielschar aktiv ist, gibt es leider nicht. Nach einigen Recherchen konnten wir davon ausgehen, dass es die Gruppe schon mindestens seit 1890 gibt. Auch wenn die Theatergruppe heute ein Junger Verein ist, liegen die Wurzeln jedoch in dem ehemaligen "Verein Willkommen". So nannten sich die Theaterspieler seinerzeit.
Einem Artikel von Martin Schneider und Alois Reker im Heimatbund Finnentrop - Heft Nr. 17 vom Juni 2003 zufolge existiert die Theatergruppe seit 1903. Sie schreiben dort:
"... Und so trafen sich im Jahre 1903 die tonangebenden Leute aus Serkenrode und Umgebung im Gasthof Caspar Schmitt (Schmies), um einen "Verein Willkommen" zu gründen, der die Unterhaltungslücke schließen sollte: Es sollte (mit der Zustimmung der Obrigkeit und dem Segen der Kirche) zweimal im Jahr ein Theaterspiel aufgeführt werden, dem sich jeweils eine Tanzveranstaltung anschloss.
Dieser Verein musste auch "Statuten" haben, um die behördliche Genehmigung zu erlangen. Diese haben wir in offizieller Zweitschrift im Archiv der Gemeinde Finnentrop vorgefunden: die exakte altdeutsche Handschrift ist gut zu lesen, die Sprache knapp und präzise. (Für zusätzliche Klarheit sorgt der behördliche Genehmigungsvermerk.) Manches muss man "zwischen den Zeilen" lesen und sich daran erfreuen.
- so die hochmoralische Zielsetzung in der Präambel, über die
"gemütliche Unterhaltung" hinaus die Mitglieder "von Ausschweifungen
aller Art thunlichst fernzuhalten",
- so die geschickte Regelung, sich durch pflichtmäßige sonntägliche
Mitgliederversammlung im Vereinslokal einen unanfechtbaren
Sonntagsstammtisch zu sichern
Statut des Vereins "Willkommen" zu Serkenrode
Serkenrode, den März 1903
Von nachstehend Unterzeichneten wurde heute der Verein "Willkommen" gebildet. Der Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, zur gemütlichen Unterhaltung seiner Mitglieder beizutragen und dieselben von Ausschweifungen aller Art thunlichst fernzuhalten.
Satzungen
§ 1 - Aufnahmebedingungen
a) Mitglied des Vereins kann jeder werden, welcher einen achtbaren
Lebenswandel führt oder zu führen entschlossen ist und in Serkenrode
oder Umgebung seinen Wohnsitz hat.
b) Die Aufnahme in den Verein geschieht durch geheime Abstimmung in
einer Generalversammlung.
c) Jedes Mitglied zahlt als Eintrittsgeld eine Mark und an Beiträgen
vierteljährlich 60 Pf. im voraus.
§ 2 - Vorstand
a) Der Vorstand des Vereins besteht aus 5 Mitgliedern, welche jährlich
neu gewählt werden. Derselbe ist im allgemeinen beschlußfähig: über
außerordentliche Angelegenheiten wird jedoch in einer vom Vorstand
anberaumten Generalversammlung beschlossen.
b) Der Vorstand wählt den Vorsitzenden und Rendanten des Vereins unter
sich.
c) Alle Ämter des Vereins werden unentgeltlich verwaltet.
§ 3 - Regelmäßige Versammlungen
a) Die Vereinsversammlungen werden jeden Sonntag mit Erledigung aller
Geschäfte im Vereinslokal abgehalten.
b) Generalversammlungen werden je nach Bedürfniß einberufen. Die
ordentliche Generalversammlung behufs Vorstandswahl, Erstattung des
Jahres- und Kassenberichts so wie etwaiger Statuten-Änderungen fällt auf
den ersten Sonntag im Monat Januar. Jede Versammlung ist beschlußfähig.
c) Der Vorsitzende leitet die Versammlung, ohne im allgemeinen an ein
strenges Festhalten der Formen gebunden zu sein. Er ist befugt, dem
Sprechenden, falls dessen Rede unangemessen erscheint und der Ruf zur
Ordnung unbeachtet bleibt, das Wort zu entziehen. Er ist verpflichtet,
die Versammlung zu beschließen, wenn die Verhandlungen einen politischen
oder religiösen Charakter annehmen.
§ 4 - Vereinsfeste
Der Verein feiert jährlich 2 Feste, bestehend in theaterlichen
Aufführungen mit nachfolgendem Tanzkränzchen. Jedoch ist dem Vorstand
nach allgemeiner Beschlußfassung gestattet, zu wohltätigen Zwecken ein
besonderes Fest zu arrangieren.
§ 5 - Vereinsvermögen
Das Vereinsvermögen bildet sich aus den Eintrittsgeldern, den laufenden
Beiträgen und aus den Überschüssen der Festlichkeit. Dasselbe ist
zinsbar anzulegen.
§ 6 - Verlust der Mitgliedschaft
Aus dem Verein werden mit Verlust eines jeden Anspruchs Mitglieder
ausgeschlossen, welche
a) Sich durch ihr Verhalten mit dem Zwecke des Vereins in Widerspruch
setzen.
b) Den Satzungen des Vereins und den Beschlüssen der Generalversammlung
beharrlich Ungehorsam entgegensetzen. Die Ruhe und Ordnung in den
Versammlungen durch ungebührliches Betragen stören.
c) Mit der Entrichtung der laufenden Beiträge länger als drei Monate
über den festgesetzten Termin hinaus im Rückstande bleiben.
Serkenrode, den 23. März 1903
Nachdem folgende Paragraphen der Versammlung bekannt gegeben, erklären folgende Herren sich durch eigene Unterschrift zum Beitritt:
- Wilh. Sauer, Serkenrode
- Jos. Hoberg, Serkenrode
- Fr. Kathol, Serkenrode
- Jos. Hüttemann, Serkenrode
- Caspar Selle, Serkenrode
- Anton Korte, Dormecke
- August Schulte, Dormecke
- Ant. Dünnebacke, Serkenrode
- Caspar Schmitt, Serkenrode
- Joseph Hardebusch, Serkenrode
- Joseph Schmidt, Serkenrode
- F. Hanses, Serkenrode
- Pet. Reuter, Serkenrode
- Heinr. Schulte, Serkenrode
- A. Schulte, Serkenrode
- Joh. Hüttemann, Serkenrode
- Ferd. Schneider, Serkenrode
- Heinr. Hansmann, Serkenrode
- Joh. Schröder, Serkenrode
Dazu dann im obrikeitlicher Beamtenhandschrift der Vermerk:
"Veränderungen in der Zahl der Mitglieder sowie des Vorstandes und der
Inhalt der aufzuführenden Stücke ist der Ortspolizei vorher anzuzeigen.
Zur Abhaltung der Tanzlustbarkeiten ist die polizeiliche Erlaubnis
erforderlich." Serk., d. 24.03.03
Seitdem wird in Serkenrode Theater gespielt, bis noch vor wenigen Jahren
zweimal pro Jahr (zu Weihnachten und zu Fastnacht). Mittlerweile nur
noch zu Weihnachten. Weder Kriegs- noch Notzeiten haben unseres Wissens
diese Tradition durchbrochen. Es war die Regel, dass im Wechsel jeweils
ein ernstes und ein lustiges Stück zur Aufführung kamen, in früheren
Jahren oft mit Gesang. Heute gibt es nur noch Lustspiele.
Obwohl die Tradition des Theaterspielens in Serkenrode also bis heute
ungebrochen ist, ist der "Verein Willkommen" längst vergessen. Wir
hätten gern die alten Unterlagen und Akten des Vereins eingesehen und
ausgewertet, die sich noch in privater Hand befinden; es ist uns aber
(noch?) nicht gelungen, ihre Herausgabe zu erreichen. Und das ist
schade! Man möchte eine hundertjährige Tradition besser dokumentieren
können!
So sind dies unsere Quellen:
die Erinnerungen aller noch lebender Serkenroder, die jemals in den
Theateraufführungen mitgewirkt und/oder so manche Fotografie ausgegraben
und beigetragen haben,
und die spärlichen, aber interessanten Aktenunterlagen im Archiv der
Gemeinde Finnentrop, die belegen, dass der Verein "Willkommen"
wenigstens bis zum Zweiten Weltkrieg aktiv war....
Heute gibt es das "Vereinslokal" Caspar Schmitt, das seit dem
Eisenbahnbau durch das Frettertal "Gasthof zum Bahnhof" hieß, nicht mehr
...
Seit einer Reihe von Jahren haben die Theaterleute im kleinen Saal
unserer schönen Schützenhalle eine neue Spielstätte gefunden und sich
kürzlich selbst eine neue Bühne geschaffen. Eigentlich ist es schade,
daß die hundertjährige Theatertradition nicht besser und systematisch
dokumentiert worden ist. "Theater" lebt eben weiterhin vom "Heute".
Dabei wäre es schade, wenn Leistungsträger wie z.B. "Onkel Albert"
Stiesberg, der Jahrzehnte lang Regie geführt und auch selbst gespielt
hat, vergessen würden. Sie haben das Leben unseres Dorfes wesentlich
mitgeprägt und belebt und damit ein dankbares Erinnern verdient. ..."
Quelle: An Bigge, Lenne und Fretter, Juni 2003 / Nr. 17, Seite 19 ff, "Verein Willkommen in Serkenrode - regemässiges Theaterspiel seit 1903". Von Martin Schneider und Alois Reker.
Mit freundlicher Genehmigung durch Heimatbund Finnentrop, Herrn Volker Kennemann

